Wer eine Pioneer 400 kaufen möchte, interessiert sich für einen ungewöhnlichen Viersitzer: einen Tiefdecker aus Holz und Kohlefaser mit Einziehfahrwerk und Rotax-Motor, gebaut von Alpi Aviation in Pordenone (Italien). Die Maschine wird als Bausatz und als flugfertiges Flugzeug angeboten und ist am Gebrauchtmarkt selten. Hier finden Sie Entwicklung, Varianten, technische Daten aus Fachquellen, Kostenansätze und die wichtigsten Prüfpunkte, bevor Sie eine Pioneer 400 gebraucht übernehmen.
Überblick & Geschichte
Alpi Aviation ist ein italienischer Hersteller aus Pordenone, der Leichtflugzeuge in einer Kombination aus Holz und Verbundwerkstoffen baut. Die Pioneer-Familie geht auf den Vidor Champion V (Asso V) von Giuseppe Vidor zurück; die Pioneer 200 und 300 sind zweisitzige Weiterentwicklungen, die Pioneer 400 ist das größte Modell. Im Oktober 2025 übernahm laut Wikipedia die Beteiligungsgesellschaft RedFish LongTerm Capital das Unternehmen.
Der Erstflug der Pioneer 400 fand am 27. März 2009 statt, die öffentliche Premiere folgte wenige Tage später auf der AERO in Friedrichshafen. Im Pilot Report des fliegermagazins vom November 2009 flog der Prototyp mit einem Rotax 912 S (100 PS), hatte ein Leergewicht von 385 kg und eine Höchstabflugmasse von zunächst 750 kg. Laut Wikipedia wurden bis Oktober 2024 insgesamt 54 Exemplare gebaut.
Im April 2020 berichtete der aerokurier, dass die Pioneer 400 inzwischen mit dem Rotax 915 iS (104 kW/141 PS) angeboten wird und die Höchstabflugmasse von 800 auf 850 kg steigen sollte. Alpi strebte demnach eine EASA-Zulassung mit NVFR- und IFR-Fähigkeit an, wollte die Bausatzversion für Selbstbauer aber parallel weiterführen. Ob und in welcher Form diese Musterzulassung abgeschlossen wurde, konnten wir nicht verlässlich prüfen.
Einen Überblick über das gesamte Programm finden Sie unter alpi aviation kaufen.
Varianten
Pioneer 400 mit Rotax 912 S
Die frühen Exemplare und der Prototyp flogen mit dem Rotax 912 S (100 PS) ohne Turbolader. Das fliegermagazin maß 2009 einen Verbrauch von rund 18 Litern Mogas pro Stunde und eine Reisegeschwindigkeit um 120 Knoten. Diese Version ist leichter, aber deutlich weniger leistungsstark als die späteren Turbomodelle. Laut Wikipedia gab es außerdem frühe Ultraleicht-Versionen mit 600 kg Höchstabflugmasse.
Pioneer 400 915iS
Mit dem turboaufgeladenen Einspritzer Rotax 915 iS (141 PS) und 850 kg Höchstabflugmasse ist dies die Version, die der aerokurier 2020 beschrieb. Wikipedia führt sie als Experimental.
Pioneer 400 916iS
Die stärkste Ausführung nutzt den Rotax 916 iS mit 160 PS und ebenfalls 850 kg Höchstabflugmasse. Auf ihr beruhen die Leistungsdaten in der Tabelle unten.
Alpi Pioneer 400T
Die Bezeichnung „Alpi Pioneer 400T“ konnten wir in den geprüften Fachquellen nicht eindeutig einer bestimmten Motorisierung zuordnen. Wenn Sie ein Flugzeug unter diesem Namen angeboten bekommen, lassen Sie sich Motortyp, Seriennummer und Zulassungsgrundlage anhand von Motorbuch und Eintragungsschein belegen.
Technische Daten
Die folgenden Pioneer 400 technische Daten gelten für die Version mit Rotax 916 iS. Zum Vergleich stehen die vom fliegermagazin 2009 für den Prototyp mit Rotax 912 S genannten Werte daneben.
| Merkmal | Pioneer 400 916iS | Prototyp 912 S (2009) |
|---|---|---|
| Sitzplätze | 4 | 4 |
| Motor | Rotax 916 iS, 160 PS | Rotax 912 S, 100 PS |
| Propeller | Dreiblatt, verstellbar | Verstellpropeller |
| Max. Abflugmasse | 850 kg | 750 kg |
| Leergewicht | – | 385 kg |
| Länge | 7,00 m | – |
| Spannweite | 8,80 m | – |
| Flügelfläche | 11,20 m² | – |
| Höchstgeschwindigkeit | 300 km/h | 135 kt |
| Reisegeschwindigkeit | 277 km/h (150 kt) | ca. 120 kt |
| Überziehgeschwindigkeit | 67 km/h | 43 kt (VS0) |
| Steigrate | 1.500 ft/min | 650 ft/min |
| Dienstgipfelhöhe | 20.000 ft | – |
| Reichweite | 1.444 km (780 NM) bei 150 KTAS in FL100 | – |
| Verbrauch | – | ca. 18 l/h Mogas |
| Gepäck | – | max. 30 kg |
Quelle: Wikipedia (Alpi Pioneer 400, nach Jane's All the World's Aircraft 2016–17); fliegermagazin, Pilot Report Pioneer 400 (2009).
Die Pioneer 400 Reichweite von 780 NM bezieht sich auf die 916iS-Version bei 150 Knoten in Flugfläche 100. Einen Verbrauchswert für die Turbo-Versionen konnten wir nicht aus einer Primärquelle belegen.
Benötigte Lizenz & Luftfahrzeugklasse
Die Pioneer 400 ist viersitzig und mit 850 kg Höchstabflugmasse kein Ultraleichtflugzeug. Wikipedia ordnet die aktuellen Versionen der Kategorie Experimental zu; die Maschine wird als Bausatz und flugfertig geliefert. Für den Kauf in Deutschland heißt das: Der Zulassungsstatus hängt vom einzelnen Flugzeug ab. Eigenbauten werden in Deutschland vom Luftfahrt-Bundesamt in der „Beschränkten Sonderklasse“ zugelassen, begleitet von der Oskar-Ursinus-Vereinigung (OUV). Laut OUV gelten dabei Einschränkungen, etwa für Flüge über Großstädte und für Auslandsflüge.
Für ein Flugzeug der Echo-Klasse benötigen Sie in der Regel eine LAPL(A) oder PPL(A) mit SEP-Berechtigung. Wegen des Einziehfahrwerks und des Verstellpropellers sollten Sie die Einweisung und die Regeln für Klassenmerkmale vorab mit Ihrer Flugschule klären. Ein in Italien oder einem anderen Land registriertes Exemplar lässt sich nicht automatisch übernehmen; prüfen Sie Ummeldung und Kennzeichen über flugzeug ummelden. Einen Vergleich der Klassen bietet ul oder echo klasse, weitere Bausatzflugzeuge finden Sie unter selbstbau flugzeug kaufen.
Gebrauchtpreise
Für gebrauchte Pioneer 400 liegen uns keine verlässlich belegbaren Marktpreise vor. Die Stückzahl ist klein, und Ausstattung, Motor und Zulassungsstatus unterscheiden sich stark. Der einzige belegte Wert ist der damalige Neupreis: Das fliegermagazin nannte im November 2009 „ab 130.000 Euro plus Steuer“ für den Prototyp-Stand mit Rotax 912 S. Dieser Pioneer 400 Preis ist heute nicht mehr aussagekräftig. Ob Sie eine Pioneer 400 zu verkaufen haben oder ein Angebot prüfen: Nutzen Sie den flugzeug wert berechnen-Check als Orientierung (Stand der Recherche: 02.10.2026).
Betriebskosten pro Stunde und Jahr
Für die Pioneer 400 Kosten pro Stunde empfiehlt sich ein Baukastenansatz:
- Kraftstoff: Der Pioneer 400 Verbrauch lag beim Prototyp mit Rotax 912 S laut fliegermagazin bei rund 18 l/h Mogas. Für die 915iS- und 916iS-Versionen setzen Sie den Wert aus dem Flughandbuch Ihres Flugzeugs ein. Laut Rotax läuft der 915 iS mit Kraftstoff ab ROZ 95, AVGAS 100LL und E10.
- Motorrücklage: Rotax gibt für den 915 iS eine TBO von 1.200 Stunden an, für den 912 S/ULS 2.000 Stunden. Teilen Sie die Überholungskosten durch die verbleibenden Stunden.
- Einziehfahrwerk und Verstellpropeller: Beide Systeme verursachen zusätzlichen Wartungsaufwand gegenüber einem Flugzeug mit festem Fahrwerk.
- Fixkosten: Versicherung, Hangar und Prüfungen. Siehe flugzeug versicherung und flugzeug unterhaltskosten.
Ihre eigene Rechnung erstellen Sie mit dem flugzeug kosten rechner.
Typische Schwachstellen & Pre-Buy-Checks
- Einziehfahrwerk: Das Fahrwerk wird elektrisch über eine Spindel betätigt. Die Unfallakte des fliegermagazins zu einem Vorfall im Juli 2014 beschreibt eine gestauchte Spindelwelle nach einer harten Landung, die den Motor blockierte; ein Notausfahren per Handkurbel war vorgesehen. Lassen Sie Fahrwerk, Spindel, Endschalter und Notausfahrsystem gründlich prüfen und probeweise betätigen.
- Holzstruktur: Flügel und Rumpf haben eine Holzstruktur mit Kohlefaser- bzw. Glasfaserbeplankung. Achten Sie auf Feuchtigkeit, Delaminationen und Reparaturen und lassen Sie diese von einem holz- und composite-erfahrenen Prüfer bewerten.
- Motor und Turbolader: Prüfen Sie Motorbuch, Stunden im Verhältnis zur TBO und die Umsetzung der Rotax-Service-Bulletins.
- Rettungssystem: Ein ballistisches Rettungssystem ist laut Wikipedia optional. Falls verbaut, prüfen Sie die Fristen.
- Papiere: Bauunterlagen, Zulassung, Wägebericht und Änderungen müssen vollständig sein.
Eine strukturierte Vorgehensweise finden Sie unter pre buy inspection flugzeug und flugzeug kaufen checkliste.
Vor- und Nachteile
Vorteile
- Vier Sitze und Einziehfahrwerk bei vergleichsweise leichter Bauweise
- Rotax-Motoren mit MOGAS-Tauglichkeit
- Hohe Reisegeschwindigkeit der 916iS-Version (150 kt laut Wikipedia)
- Als Bausatz oder flugfertig erhältlich
Nachteile
- Sehr kleine Stückzahl, daher wenig Vergleichsangebote
- Zulassungsstatus je nach Exemplar unterschiedlich, Einschränkungen als Selbstbau
- Einziehfahrwerk erhöht Wartungsaufwand und Fehlerrisiko
- Holz-Composite-Struktur erfordert spezialisierte Prüfer
Alternativen
Wenn Sie einen Viersitzer für Reisen suchen, vergleichen Sie diese Muster:
Weitere Muster finden Sie unter motorflugzeug kaufen.
Kostenrechner Alpi Pioneer 400
Vorbefüllt mit recherchierten Werten dieses Modells, sofern belegbar. Ergänzen Sie Versicherung, Hangar und Wartung mit Ihren Angeboten.
Kosten pro Flugstunde
0 €
Kosten pro Jahr
0 €
davon Fixkosten / Jahr
0 €
Variable Kosten je Stunde: Kraftstoff 0 € + Wartung 0 € + Motorrücklage 0 €. Werte sind Schätzungen; ersetzen Sie sie durch Ihre tatsächlichen Angebote.
Häufige Fragen
Was ist die Alpi Pioneer 400?
Ein viersitziger Tiefdecker von Alpi Aviation aus Pordenone mit Holzstruktur, Kohlefaserbeplankung und elektrischem Einziehfahrwerk. Der Erstflug fand am 27. März 2009 statt; laut Wikipedia wurden bis Oktober 2024 54 Exemplare gebaut.
Welche Motoren hat die Pioneer 400?
Der Prototyp flog 2009 mit dem Rotax 912 S (100 PS). Spätere Versionen nutzen den Rotax 915 iS (141 PS) oder den Rotax 916 iS (160 PS).
Welche Reichweite hat die Pioneer 400?
Für die Version mit Rotax 916 iS nennt Wikipedia (nach Jane's) 1.444 km bzw. 780 NM bei 150 KTAS in Flugfläche 100.
Wie hoch ist der Pioneer 400 Verbrauch?
Für den Prototyp mit Rotax 912 S nannte das fliegermagazin 2009 rund 18 Liter Mogas pro Stunde. Für die Turbo-Versionen konnten wir keinen belegten Wert finden; maßgeblich ist das Flughandbuch des jeweiligen Flugzeugs.
Brauche ich für die Pioneer 400 eine PPL?
Mit vier Sitzen und 850 kg Höchstabflugmasse ist die Pioneer 400 kein Ultraleichtflugzeug. In der Regel benötigen Sie eine LAPL(A) oder PPL(A) mit SEP-Berechtigung; der genaue Status hängt von der Zulassung des einzelnen Flugzeugs ab.
Was sollte ich bei einer gebrauchten Pioneer 400 prüfen?
Vor allem das elektrische Einziehfahrwerk samt Spindel und Notausfahrsystem, die Holz-Composite-Struktur auf Feuchtigkeit und Delamination, die Motorstunden im Verhältnis zur TBO sowie Zulassungs- und Bauunterlagen.
Alles rund um Alpi Pioneer 400
Quellen
- Alpi Pioneer 400 – Wikipedia, abgerufen am 2.10.2026
- Pilot Report: Pioneer 400 – fliegermagazin, abgerufen am 2.10.2026
- Pioneer 400: Vom Experimental auf dem Weg zum Serienflugzeug – aerokurier, abgerufen am 2.10.2026
- Fahrwerksprobleme bei der Außenlandung: Der Tiefdecker Alpi Pioneer 400 – fliegermagazin, abgerufen am 2.10.2026
- Rotax 915 iS – Produktseite – BRP-Rotax, abgerufen am 2.10.2026
- Über die OUV – Flugzeuge selber bauen und zulassen – Oskar-Ursinus-Vereinigung (OUV), abgerufen am 2.10.2026
- Alpi Aviation – Wikipedia, abgerufen am 2.10.2026
Zuletzt redaktionell geprüft: 4.10.2026